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Wettbewerb " Grabeskirche" in der Pfarrkirche St. Josef, Viersen

2010

   
 
     
 

Konzeption
Die ehemalige Pfarrkirche St. Josef, in der Südstadt der Stadt Viersen gelegen, ist durch ihre Größe ein weit sichtbares und dominierendes Gebäude. Jedoch ist die Kirche St. Josef im Gegensatz zu den anderen Kirchen der Viersener Innenstadt in das innerstädtische Gefüge kaum eingebunden und erscheint eher ein wenig abseits gelegen. Aus diesem Grund ist es uns um so wichtiger, die Veränderungen im Innenraum der Kirche auch nach Außen hin spürbar und erlebbar zu machen.

Der Innenraum von St. Josef weist ein sehr schlankes und bis zu 21,5m hohes Haupt- und Querschiff auf, deren Wucht betont durch die hohen Sandsteinsäulen, Mensch und Inventar auf der Bodenebene sich verlieren lässt. Insbesondere aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, dieses Raumvolumen zu erschließen, in einer völlig neuen Sicht erlebbar zu machen und Orte von Weite und Geborgenheit zu schaffen.

In der Deutung des Evangeliums Joh 14, 1-6 besteht nach Jesus Tod kein Grund für Trauer und Verzagtheit. Der vorübergehenden Trennung wird die Zeit nie enden wollender Gemeinschaft folgen. Das Ziel Jesu wird auch das Ziel jener sein, die an ihn glauben: Die Bleibestätte im "Haus meines Vaters". Das neue Kolumbarium St. Josef erhebt sich als Haus im Haus, als Bibliothek der menschlichen Biographien, aus dem Mittelschiff und verbindet die Eingangsebene mit der Emporenebene. Die Mauern und Gewölbe von St. Josef werden zur schützenden Hülle der neuen Grabstätte (Grabeskirche Jerusalem, Santa Maria della Porziuncola Assisi).

Entgegen der Kirchenhülle aus Stein und Putz erhebt sich im Innern der Kubus des Kolumbariums (ca. 17/5/11m)aus einer Tragstruktur aus Stahl, die Außen wie Innen mit einer Hülle aus hölzernen Lamellen umschlossen wird. In der Hülle aus unbehandeltem und duftendem Holz werden nach einem festgelegtem Prinzip die Urnen ihren Platz finden. Die Orte innerhalb des Kubus sind frei wählbar und unterscheiden sich durch Weite, Intimität, Ausrichtung, Lage und Höhe im Raum. Was jedoch alle verbindet, ist es, letztendlich Teil einer großen Gemeinschaft zu sein, die bei allen Unterschieden im irdischen Leben, im Tod zueinander findet.

Entwurf
Grundvoraussetzung für die Realisierung einer Grabeskirche, ist die gute und barrierefreie Erreichbarkeit der entscheidenden Orte für die Angehörigen und Besucher, welche zumeist schon fortgeschrittenen Alters sind. Daher haben wir bis auf den Chor die Bodenflächen auf eine Höhe aufgefüllt, was uns auch die Möglichkeit eröffnet reversibel eine neue Flächenzonierungen und Gründungen vorzusehen. Somit werden nur noch die Orte, die begangen werden mit einer geschliffenen Estrichfläche ausgebildet, die in eine Fläche aus Natursteinschotter gebettet wird. Die Bereiche der historischen Mettlacher Platten werden im Bestand geschützt überdeckt und in Teilbereichen gesichert.

Durch den Einbau eines Aufzuges in einem der 2 Treppentürme, werden von der Platzebene aus sowohl die Eingangsebene wie auch die Emporenebene des Kolumbariums barrierefrei erschlossen. Der hohe Stufenberg bis zur Kirchenebene kann überwunden werden. Die störende, sehr lange Stahlrampe außen sollte dann entfallen.

Über den Turmraum mit dem ehemaligen Taufbecken erschließen sich dem Besucher die beiden Ebenen des Kolumbariums. Entlang der durch Glaswände getrennten Versammlungsräume unter dem Emporenbereich, betritt man die untere Ebene des Kolumbariums von dem man über schmale Durchgänge in den Holzlamellenwänden auch in die Seitenschiffe gelangt. An den Seitenschiffwänden begleiten reliefartige Konturen die Bereiche zum Verweilen und die Sandbänke für Kerzen.

Inhaltlicher Aspekt der Konturen auf den Seitenschiffwänden, ist die Reflexion von "Sein" und "gewesen sein". Die hier visualisierten Lebens - linien - pfade - ein - und abschnitte, möchten die Menschen, die ihrer Verstobenen gedenken, anregen, über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Lebens zu reflektieren.

Über das Ihrer Verstobenen, als auch über das Eigene.
Auf der Emporenebene erschließt sich im Kolumbarium ein völlig neuer Ort der durch das nahegerückte weiße Netz der Gewölbe sanft überspannt wird. Durch den Ausbau der Orgel und die Reaktivierung des zur Zeit zugemauerten Turmfensters öffnet sich der Raum nach Westen und läßt das Abendlicht in den oberen Kirchenraum strömen. Eine kleine Truhenorgel wird am Ort der Verabschiedung die große Orgel ersetzen. Falls die Gemeinde sich nicht von der Orgel trennen will, kann das vorliegende Konzept über die bestehenden Zugänge an der Orgel entlang realisiert werden.

Der Turmraum auf der Empore wird eine themenbezogene Bibliothek aufnehmen, auf den seitlichen Emporen entstehen Leserückzugsbereiche, in denen Angehörige und Besucher bei einem Kaffee oder Tee sich in die Literatur vertiefen können, Gespräche führen oder nur den Blick in den Kirchenraum lenken. Eine Beheizung dieser Bereiche ist durch die geringen Raumhöhen gegeben, Glasabtrennungen sind möglich. Die Emporenebene wie auch die Seitenschiffe bieten Raum für themenbezogene Ausstellungen.

Im Gegensatz zu einem auf der Kirchenebene den Boden über die Jahre füllenden Steelenwaldes, haben wir uns bewußt für einen fest angelegten Ort in der Kirche entschieden, der die Raumfülle nutzt und neue Raumbezüge schafft. Schon in der ersten Ausbauphase wird die Errichtung der Tragstruktur in aller Deutlichkeit und Kraft den Ort des Kolumbariums als Stätte christlichen Glaubens an das Leben der kommenden Welt, definieren.

Über mehrere Ausbaustufen von der Kirchenebene zur Emporenebene wird sich das Haus innerhalb der schützenden Hülle der Kirche zusehends mit Lamellenebenen und Urnen an vorbestimmten Plätzen wabenähnlich füllen, in einer nach keinem sichtbaren Gesetz folgenden Anordnung. Und doch ist jeder Platz vorbestimmt und fügt sich letztendlich zu einem umfassenden Bild welches Licht durchscheinen läßt und Blicke eröffnet, die den umgebenden Kirchenraum neu erleben lassen.

Zwischen Chorraum und Kolumbarium befindet sich der Ort der Verabschiedung. In der Breite des Kolumbariums trennt eine neue Altarwand im Bereich des ehemaligen Stufenberges die Verabschiedung vom Hochchor. Die Malerei auf der Altarwand greift den möglichen emotionalen Zustand des Besuchers auf und möchte ihm eine positive Perspektive aufzeigen. Der Chorraum dient zukünftig als Ort der Andacht und des Gebets vor dem verbleibenden Retabel. Die Altarwand flankierend, führt eine Treppe in den Chor und die vorhandene Treppe hinunter in die ehemalige Krypta, die in einem durch Stahltafeln abgeschlossenen Raum nach der Ruhezeit im Kolumbarium die ewige Ruhestätte im heimatliche Boden aufnimmt. Auf den Stahlwänden werden die Namen der Verstorbenen erscheinen.

Der Ort der Verabschiedung zwischen Altarwand und Kolumbarium erhält eine Bodentemperierung des geschliffenen Estrichs zu den genutzten Zeiten. Die Verabschiedung ist in die Querschiffe hinein durch eine mobile Bestuhlung erweiterbar.

Das Kolumbarium ermöglicht verschiedene Kategorien: Auf der Kirchenebene wahlweise zwischen Innen und Außen und jeweils Kopfseite zum Chor, Längsseiten, oder Kopfseite zum Turm. Auf der Emporenebene Innen jeweils zu den entsprechenden Seiten und überspannt vom Netz der Gewölbe. Oberhalb von 3,00m der Kirchenebene besteht die Möglichkeit der anonymen Beisetzung in der Lamellenstruktur, dann in einer unbeschrifteten Urne ohne abgesetzte Front. Die Urnen können in Maßen von ca. 20/20/30cm zur direkten Aufnahme der Aschekapseln oder auch in breiteren Maßen zur Aufnahme von Urnen eingebaut werden. Die eingelassene bearbeitete Glasplatte kann in 3 verschiedenen Glasgrundfärbungen von weißlich über grünlich in den bläulichen Bereich hinein ausgewählt werden.

In einer weiteren Ausbaustufe entstehen an den Querschiffwänden unterhalb der Fenster besondere Urnenräume, die in direktem Kontrast zum Kolumbarium stehen und die Veränderung des Ortes nach Außen sichtbar machen. Die bearbeitete metallische Form erscheint nach außen vom Gelände abgesetzt schwebend an der Querschiffassade. Namen und Daten der Beigesetzten erscheinen hier nicht auf der Urne, sondern auf der Außenfläche der Hülle.

Die innere Gliederung und Zonierung findet ihre Fortsetzung in der Flächengestaltung außerhalb des Kirchengebäudes und unterstützt damit die Wahrnehmung von Veränderungen, wie auch die Einbindung der Grabeskirche in das städtische Gefüge, eingebettet in ein orthogonales Schotterfeld, welches die Zugangstreppen wie Brücken erscheinen läßt.

Urnenplätze:
Kolumbarium: 2400 Urnenplätze davon 400 anonyme Plätze in den höheren Zonen Außen möglich. (Die Urnendarstellung im Entwurf entspricht dieser Belegungszahl) 2 Urnenräume Querschiffe je 300 Urnenplätze ergibt 600 Plätze
           

           

          

           

 

 

FOTOS
BROSCHÜRE
 
 
 
     
 
01.12.2015