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Wettbewerb Neubau Ev. Kirche, Köln- Flittard

2010

   
 
     
 

ERLÄUTERUNGSBERICHT ZUM WETTBEWERB Neubau Kirche und Gemeindehaus Ev. Brückenschlag - Gemeinde Köln - Flittard / Stammheim

Einleitung - Städtebau
Das städtebauliche Umfeld ist sehr heterogen geprägt, so dass die bestehenden Kirchenbauten unauffällig und zurückhaltend wirken. Um diese Situation prägend zu verändern, haben wir eine neue Kirche mit Gemeindehaus an einem großzügig angelegten Kirchenvorplatz geschaffen, so dass ein identifikationsstiftendes Zentrum für die Gemeinde und für das Quartier entsteht. Dabei erhebt sich der Kirchenraum mit Glockenturm aus dem eingeschossigen Gemeindehaus und bildet so eine von weitem erkennbare Landmarke.

Erschließung
Die Haupterschließung des Geländes erfolgt über die Bonhoefferstraße, des Weiteren besteht eine Verbindung zu den vorhandenen Pfarrwohnungen und dem Zugang zum Friedhof zur Scharffensteinstraße.
Links vor dem Gemeindehaus sind 27 Parkplätze, davon 2 behindertengerecht, sowie 20 Fahrradstellplätze mit Anschließmöglichkeit, vorgesehen.

Gestaltungsmerkmale Bauwerk
Das Gebäude gliedert sich in 4 Bauteile auf, den flankierenden, eingeschossigen Flachbauten für die Gemeindehausnutzungen, dem verklinkerten, zweieinhalb-geschossigen Kirchenraum und dem mittig gelegenen Glockenturm mit seiner gelochten Stahlvorhangfassade.

Die zurückhaltende Lochfassade mit weißen Putzflächen steht für das Gemeindezentrum, große Ziegelfassaden in Verbindung mit wenigen vertikalen, scharf eingeschnittenen Öffnungen charakterisieren die Erscheinung des Kirchraumes. Zentrales Gestaltungselement ist der Kirchturm und die sich aus ihm entwickelnde Naht aus lebendig anmutendem, rostigem COR-TEN-Stahl zwischen den beiden Ziegelbauten. Die Naht ist robust und lebendig, massiv und durchlässig zugleich und Sinnbild für die Verschweißung der beiden Gemeinden Flittard und Stammheim über ihren Glauben (Schriftzug = Vater unser).

Gestaltungsmerkmale Außenanlagen
Das neue Gemeindehaus ist weit in das Grundstück positioniert, so dass ein großer Kirchplatz entsteht, der als Begegnungsort für die Gemeinde im Rahmen von Pfarraktivitäten wie "Open Air Gottesdienste", Gemeindefeste oder Spielaktionen genutzt werden kann. Die Möglichkeit der Herstellung einer Flachwasserfläche von ca. 5 - 15 cm Tiefe kann den Platz zusätzlich unterteilen, im Sommer durch Verdunstung ein kühleres Kleinklima erzeugen und im Winter als Eisspielfläche dienen. Der Platz wird durch eine Leuchtensteelenreihe optisch in zwei Bereiche aufgeteilt, der Zuwegung zum Haupteingang des Gemeindehauses und dem Vorplatz vor der Kirche. Als weitere Funktion soll der Kirchenplatz ein zeitgemäßer Treffpunkt im Quartier werden.

Die Pkw- Stellflächen sind durch einen breiten Grünflächenstreifen vom Platz abgetrennt und 4 Stufen tiefer gelegen. Die süd-östliche Platzkante wird ebenfalls durch einen Grünflächenstreifen gefasst und leitet so in den bestehenden Parkbereich mit dichtem Baubestand über.

Der erhaltenswerte Baumbestand wird weitestgehend von der Baumaßnahme nicht betroffen sein, dabei ist im Rahmen der Platzgestaltung und der Anlage der restlichen Grünflächen die Neupflanzung von Bäumen als Ausgleichsmaßnahme beabsichtigt.

Durch die Positionierung des neuen Gemeindehauses kann das Bonhoeffer-Gemeindezentrum bis zur Fertigstellung des Neubaus als Provisorium für die gesamte Brückenschlag-Gemeinde bestehen bleiben, so wird auch die Baustellenerschließung die Nutzung des bestehenden Gemeindezentrums nicht beeinträchtigen.

Lichtführung
Die Lichtführung im Kirchenraum ist als Tagesbelichtung und als künstliche Beleuchtung zusammengelegt, dabei setzen das Oberlichtband und die Seitenoberlichter den Kirchenraum in ein leicht gedämpftes hellbläuliches Licht, das durch die unterschiedlichen jahreszeitlichen Helligkeiten und dem Sonnenlicht lebhaft und natürlich wirkt. Bei direktem Sonneneinfall werden die ausgestanzten Worte des Vaterunsers als Schattenwürfe schemenhaft im farbigen Oberlichtband erkennbar, werfen auch diffus Ihre Schatten in den Kirchenraum. Die Glasgestaltung der Oberlichter soll durch eine in Fusing-Technik hergestellte Farbigkeit die Hauptfarbe Blau erhalten, die durch Farbverläufe ihre Farbigkeit und Intensität verändert.

Durch den Einsatz von diffus leuchtenden Lichtbändern im Inneren der Oberlichter bleibt die Ausleuchtung des Kirchenraumes, auch wenn das natürliche Licht nicht mehr ausreicht, erhalten, verändert dabei aber seine wechselnden Lichtstimmungen zu einer konstanten Ausleuchtung.

Als Außenwirkung strahlt die Kirche durch die Oberlichter und durch die gestanzte Stahlvorhangfassade des Glockenturmes aus sich heraus, so dass die Worte des "Vater unser" deutlich im abendlichen Licht erstrahlen.

Das Lichtkonzept der anderen Bereiche orientiert sich an den funktionellen Anforderungen, wobei ein Schwerpunkt auf eine vielseitig nutzbare und unterschiedliche Lichtstimmungen erzeugende Foyerbeleuchtung liegt.

Kirchenraum
Aufgrund der stark variierenden Anzahl von Gottesdienstbesuchern basiert die Organisation des Kirchraumes auf einem extrem variablen Ordnungsprinzip:
Im nicht erweiterten Zustand erhält der Kirchenraum einen kreuzförmigen Grundriss, bei dem die Seiten eingeschossig und der mittlere Bereich zweigeschossig eine Höhe von 7,70 Meter erhält. Durch die seitlich vier angrenzenden Gruppenräume ist der Kirchenraum variabel durch das Öffnen von Faltwänden erweiterbar. Auf diese Art und Weise kann das Platzangebot von 150 auf über 300 Gottesdienstteilnehmer erweitert werden.

Der Altarraum ist mit zwei Stufen leicht erhöht ausgebildet. Der Altar und das Lesepult sind aus der Mitte zur Glasfassade hin gerückt, so dass der Kirchenraum durch feste Einbauten nicht seine Wandelbarkeit verliert. Es ist deshalb denkbar, dass außerhalb der Gottesdienste dieser für Theateraufführungen und Konzerte genutzt werden kann. Gut einsehbare Wandprojektionsflächen sind links und rechts hinter dem Altar gegeben.

Für die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten sind die geöffneten Gruppenräume 2 und 3 bestens geeignet. Ein hier temporär platzierter Chor oder auch eine Band wird an dieser Stelle von den Besuchern gut wahrgenommen - das direkte Erleben von Musik und Kirche wird begünstigt. Mischpult und Lichtanlage können in einem der Abstellräume, die als Resträume der ehemaligen Gruppenräume entstehen, untergebracht werden.

Als Gegenpol zu Chor und Band links und rechts vom Altar wird die Orgel aus der Lukaskirche im neuen Gottesdienstraum auf einer Orgelempore über dem Haupteingangsbereich neu aufgebaut. Dies ermöglicht ein harmonisches Wechselspiel von Orgelspiel auf der einen Seite und Chorgesang- bzw. der Bandmusik auf der anderen Seite.

Die Wandflächen des Kirchenraumes sollen in weißem Putz gehalten sein, der durch die Lichtreflexion des Lichtbandes vielfältig farbig erscheint. Die Faltwände sind mit naturbelassenem Eichenholz verkleidet, dabei sind die Faltelemente, die sich vor die Fassade schieben lassen mit kunstverglasten Lichtausschnitten versehen. Der Boden soll mit einem Basaltina- Natursteinboden belegt werden.

Seitenkapelle
Die Seitenkapelle ist der Raum im neuen Gemeindehaus, der am meisten Ruhe ausstrahlen soll, dabei ist die Grundrissform und Fensterpositionen entscheidend, da der Blick des Eintretenden unweigerlich in Richtung des Altars gelenkt wird, welcher beidseitig von Streiflicht beleuchteten Wandflächen gerahmt wird. Unter dem dort positionierten Oberlicht kann beispielsweise das Altarkreuz aus der Lukaskirche oder zu einer Trauerfeier eine Urne positioniert werden. In der Kapelle werden die gleichen Materialien wie im Kirchenraum verwendet. Die Seitenkapelle ist von außen über das Nebenfoyer zugänglich und bietet so eine nahe Anbindung an das Kolumbarium und den Friedhof.

Foyer
Als Glasfuge ausgeführt, ist das Foyer zentrales Bindeglied zwischen Gottesdienstraum und Gemeindehaus. Mittels der zweiseitigen Verglasung wird es hell erleuchtet und wirkt auf Besucher freundlich und einladend. Durch die transluzent gestaltete Glaswand zum Gottesdienstraum entstehen vage, neugierig machende Blickbeziehungen.

Durch das Öffnen der Faltwand zum Clubraum wird der Eingangsbereich erweiterbar. Er bietet so auch an sehr gut besuchten Tagen ausreichend Raum für das Kirchencafé. Der direkte Zugang und die Anreiche zur Küche ermöglichen die Versorgung des Foyers mit Speisen und Getränken.

Gruppenräume
Bei geschlossenen Faltwänden reihen sich vier Gruppenräume um den Kirchenraum. Große, helle Fensterflächen ermöglichen einen direkten Bezug nach draußen zu den Terrassen oder zum Kirchplatz. Die teilweise lichtdurchlässigen Faltwände stellen eine dezente Verbindung zwischen Gruppenräumen und Gottesdienstraum her.

Im geöffneten Zustand begrenzen die Faltwände zum Teil jeweils einen Abstellraum, welcher jedoch weiterhin von außerhalb des Kirchraumes betretbar ist; andererseits decken die Faltwände die großflächigen Gruppenraumfenster ab und tauchen die Eckbereiche des erweiterten Gottesdienstraumes durch ihre Lichtausschnitte in ein angenehmes, symbolträchtiges Licht. Der Boden ist wegen der Erweiterungsoption ebenfalls aus Basaltina, die Wände werden weiß tapeziert.

Chor- und Bandraum
Um den Bandraum als akustisch möglichst abgeschirmten Proberaum nutzen zu können, wurde er an das westliche Ende des Gemeindezentrums gelegt. Der Raum ist funktional gestaltet mit weißen Wandflächen, und Kautschukboden. Vom Bandraum gibt es einen direkten Ausgang auf eine vorgelagerte Terrasse. Außerdem kann ein angrenzender Abstellraum für Musikinstrumente oder Ähnliches gemeinsam mit dem Clubraum genutzt werden.

Der Clubraum
Der Clubraum ist Treffpunkt für die Jugend der beiden Gemeinden. Er ist zuschaltbar zum Foyer und kann somit für Abendveranstaltungen erweitert werden. Er ist direkt an der Küche gelegen und ermöglicht somit gruppenorientiertes Kochen, Backen und anschließendes gemeinsames Essen. Der Raum ist funktional gestaltet mit weißen Wandflächen, und Kautschukboden, wobei eine Gestaltung durch die Nutzer des Raumes beabsichtigt ist. Ausgestattet werden kann er mit beispielsweise einer kleinen Bar, einer Sitzecke, einem W-LAN Hotspot und einem Kickertisch.

Küche / Kochzone
Die Küche ist zentral direkt am Foyer platziert. Sie verfügt über eine gute Anbindung an den Clubraum als auch an den Lagerraum. Die Küche ist als Funktionsküche ausgestattet und funktional mit Fliesenspiegeln hinter den Küchenmöbeln, Bodenfliesen und weißen Wandflächen gestaltet. Sie bietet viel Platz für den alltäglichen Gebrauch, ist aber auch für die Nutzung bei größeren Anlässen, wie Gemeindefeste etc. konzipiert.

Lager
Das Möbellager ist zentral vom Foyer zugänglich. Hier können Tische und Stühle, aber auch Gekühltes für den Küchengebrauch gelagert werden.

Sakristei und Küsterraum
Die Sakristei und der Küsterraum erhalten große Fenster zum geschützten grünen Bereich des Grundstücks. Die Räume sind mit weißen Wandflächen und Kautschukboden funktional gestaltet. Sie werden über einen separaten Flur vom Nebenfoyer erschlossen. Ihnen ist ein eigenes WC zugeordnet und man hat die Möglichkeit über den Nebenflur direkt die Kapelle zu betreten.

Kolumbarium
Das Kolumbarium ist für mindestens 500 Urnen konzipiert und darüberhinaus erweiterbar. Als letzte Ruhestätte der Verstorbenen wird es mit räumlicher Nähe zu der Seitenkapelle auf dem hinter der Kirche liegenden Friedhof positioniert. Die Einheiten des Kolumbariums bestehen aus rostigen Schließfach-Scheiben, die wie ein Strichcode unregelmäßig aneinander gereiht sind und leicht durch weitere "Striche" zum Code erweitert werden können.

Energie- und Unterhaltungskosten
Grundvoraussetzung für unsere energieoptimierte Planung ist das günstige AV-Verhältnis des Baukörpers zur Minimierung von Energieverlusten. Des Weiteren ist die Wirtschaftlichkeit eines Gebäudes entscheidend von der Wärmedämmschicht abhängig, die wir entsprechend stark bemessen haben.

Als Nutzung von erneuerbaren Energien beabsichtigen wir den gesamten Gebäudekomplex mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpenanlage zu beheizen. Eine Anlage mit entsprechend ausgelegtem Pufferspeicher, wäre in der Lage das gesamte Gemeindezentrum, die Kirche und die beiden Wohnhäuser mit ausreichend Energie zu versorgen. Um die Energiebilanz weiter zu verbessern, wäre die optionale Installation einer Fotovoltaikanlage auf den Dächern des Gemeindehauses sinnvoll.

Zur Vermeidung von unnötigen Energieverlusten durch ungeregeltes Lüften ist für das Gemeindezentrum sowie für die Wohnbebauung jeweils eine zentral geregelte Lüftungsanlage mit Energierückgewinnung als Option sinnvoll.

Verwendung von Glocken aus der Kirche in Flittard
Der neue Glockenturm nimmt die drei Glocken aus der Lukas-Kirche in Flittard auf. Dabei entspricht der neue Turm annähernd den Maßen des alten Turms.            

           

          

           

 

 

FOTOS
BROSCHÜRE
 
 
 
     
 
01.12.2015